Digitalisierung in Deutschland: Rolle der SAP AG bei der Transformation von Unternehmen

Wenn ein mittelständisches Unternehmen in Deutschland heute seine Buchhaltung, Lagerverwaltung oder Personalplanung modernisieren will, führt ein Name fast immer die Auswahlliste an: SAP. Das Walldorfer Unternehmen liefert die Software, auf der ein großer Teil der deutschen Wirtschaft seine Geschäftsprozesse abwickelt. Doch die Digitalisierung in Deutschland ist längst kein freiwilliges Projekt mehr. Harte Wartungsfristen und auslaufende Systeme zwingen Unternehmen zum Handeln.

SAP-Wartungsfristen: Warum die Migration jetzt drängt

Viele Artikel beschreiben die digitale Transformation als strategische Chance. Das stimmt, greift aber zu kurz. Für SAP-Bestandskunden in Deutschland ist der Zeitdruck konkret und messbar.

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Die Mainstream-Wartung für SAP ECC 6.0 und Business Suite 7 endet Ende 2027. Wer danach noch Support benötigt, kann Extended Maintenance bis Ende 2030 buchen, zahlt dafür aber einen Aufschlag auf die regulären Wartungsgebühren. Parallel dazu laufen Nutzungsrechte für zahlreiche Compatibility Packs bereits Mitte 2026 aus. Unternehmen müssen Altfunktionen also frühzeitig ablösen oder Alternativen aufbauen.

Im Personalbereich sieht es ähnlich aus: Die Wartung für SAP HCM im ECC-Betrieb endet ebenfalls 2027, mit erweitertem Support bis 2030. Die Nachfolgelösung „SAP HCM for S/4HANA“ (H4S4) gilt dabei nur als Brückenlösung ohne fachliche Weiterentwicklung, vorgesehen bis 2040. Wer langfristig plant, muss also den Umstieg auf SAP SuccessFactors einkalkulieren.

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Was bedeutet das praktisch? Ein Unternehmen mit mehreren hundert Mitarbeitenden, das heute noch auf ECC läuft, hat für eine geordnete Migration ein Zeitfenster von weniger als zwei Jahren. Solche Projekte dauern erfahrungsgemäß mindestens zwölf Monate, oft deutlich länger.

Geschäftsfrau arbeitet mit SAP Fiori auf einem Laptop in einem modernen Co-Working-Space in Deutschland

SAP S/4HANA als digitaler Kern für Unternehmen

Haben Sie sich schon gefragt, warum SAP nicht einfach das alte System weiterpflegt? Die Antwort liegt in der Architektur. SAP S/4HANA basiert auf einer In-Memory-Datenbank. Statt Daten von Festplatten zu lesen, arbeitet das System direkt im Arbeitsspeicher. Das beschleunigt Auswertungen und Berichte erheblich.

Ein konkretes Beispiel: Ein Energieversorger wie die Energieversorgung Mittelrhein AG (evm) hat gemeinsam mit dem IT-Dienstleister GISA seine gesamte SAP-Systemlandschaft auf S/4HANA umgestellt. Das neue System dient als digitaler Kern für sämtliche Geschäftsprozesse, von der Abrechnung bis zur Lagerverwaltung.

Das Projekt zeigt typische Herausforderungen der Transformation:

  • Die bisherigen Umsysteme mussten eingebunden oder funktional ersetzt werden, was eine detaillierte Bestandsaufnahme aller Schnittstellen erforderte.
  • Ein gleichzeitiges Carve-out einer ehemaligen Tochtergesellschaft musste berücksichtigt werden, deren Daten im neuen System nicht mehr enthalten sein durften.
  • Die Migration betraf die gesamte Unternehmensgruppe, nicht nur einzelne Abteilungen, was eine enge Abstimmung zwischen Fachbereichen und IT voraussetzte.

S/4HANA ersetzt nicht nur Technik, sondern verändert Arbeitsabläufe. Wer das Projekt rein als IT-Umstellung behandelt, unterschätzt den organisatorischen Aufwand.

RISE with SAP: Cloud-Migration mit europäischer Datenhaltung

Für Unternehmen, die den Schritt in die Cloud wagen wollen, bietet SAP mit „RISE with SAP“ ein Gesamtpaket an. Es bündelt Lizenzen, Infrastruktur, Migrationstools und Support in einem Vertrag. Der Vorteil: Unternehmen müssen nicht selbst entscheiden, welche Einzelkomponenten sie benötigen.

Besonders relevant für den deutschen Markt ist eine neuere Entwicklung: RISE with SAP auf STACKIT ermöglicht erstmals den Betrieb auf einer europäischen Hyperscaler-Plattform. STACKIT ist die Cloud-Infrastruktur der Schwarz-Gruppe (zu der Lidl und Kaufland gehören). Damit können Unternehmen ihre SAP-Systeme in der Cloud betreiben und gleichzeitig sicherstellen, dass ihre Daten in Europa verbleiben.

Das adressiert eine der größten Sorgen deutscher Mittelständler: Datensouveränität. Wer bisher zögerte, weil die Cloud-Infrastruktur ausschließlich bei US-amerikanischen Anbietern lag, hat jetzt eine Alternative innerhalb der EU.

Was RISE with SAP konkret enthält

  • SAP S/4HANA Cloud als zentrale ERP-Lösung, wahlweise als Private oder Public Cloud Edition
  • SAP Business Technology Platform (BTP) für Erweiterungen, Integrationen und Analysefunktionen
  • Migrationsservices und Tools, die den technischen Umstieg vom Altsystem begleiten
  • Ein definiertes Support-Modell mit festen Ansprechpartnern auf SAP-Seite

Was RISE nicht enthält: die organisatorische Veränderung. Schulungen, Prozessanpassungen und Change-Management bleiben Aufgabe des Unternehmens oder externer Berater.

Diverse Geschäftsteam bespricht SAP-ERP-Prozesse auf einem interaktiven Konferenztisch im deutschen Unternehmenshauptsitz

Digitalisierung im Mittelstand: Wo SAP an Grenzen stößt

SAP dominiert den deutschen Markt für Unternehmenssoftware, aber die Transformation mit SAP ist kein Selbstläufer. Gerade mittelständische Unternehmen stehen vor spezifischen Hürden.

Der Fachkräftemangel in der SAP-Beratung trifft kleinere Unternehmen besonders hart. Erfahrene S/4HANA-Berater sind gefragt, und große Konzerne sichern sich deren Kapazitäten oft frühzeitig. Mittelständler geraten dann in Warteschlangen oder müssen mit weniger erfahrenen Teams arbeiten.

Ein zweiter Punkt betrifft die Komplexität. SAP S/4HANA bietet Funktionen, die weit über das hinausgehen, was ein Unternehmen mit wenigen hundert Arbeitsplätzen benötigt. Die Konfiguration und Anpassung erfordert tiefes Spezialwissen. Wer zu viel auf einmal umstellt, riskiert, dass das Tagesgeschäft leidet.

Trotzdem bleibt der Befund klar: Die Wartungsfristen lassen kein Abwarten mehr zu. Unternehmen, die heute noch auf ECC laufen, sollten zumindest eine technische Bestandsaufnahme ihrer Systemlandschaft durchführen. Denn je später die Planung beginnt, desto enger wird das Zeitfenster, und desto teurer wird die Migration.

Die Rolle der SAP AG bei der Digitalisierung in Deutschland ist damit zweischneidig: Einerseits liefert das Unternehmen die Plattform, auf der viele Betriebe ihre Prozesse modernisieren. Andererseits erzeugt es durch das Abkündigen alter Systeme einen Migrationsdruck, dem sich kaum ein Bestandskunde entziehen kann. Entscheidend ist, diesen Druck nicht als Bedrohung zu sehen, sondern als Anlass für eine ehrliche Bestandsaufnahme der eigenen IT-Landschaft.

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